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<title>Internierungslager Frøslev</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Internierungslager Frøslev</span></h1>
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<p>Das <b>Internierungslager Frøslev</b> (dänisch: <b>Frøslevlejren</b>) wurde 1944 in der gleichnamigen Gemeinde <a href="Fr%C3%B8slev_(Aabenraa_Kommune)" title="Frøslev (Aabenraa Kommune)">Frøslev</a> kurz hinter der deutsch-dänischen Grenze angelegt und führte damals die offizielle deutsche Bezeichnung „Polizeigefangenenlager Fröslee“.
</p>

<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Entstehungsgeschichte">Entstehungsgeschichte</h2></div>
<p><a href="D%C3%A4nemark" title="Dänemark">Dänemark</a> hatte sich zu Beginn des <a href="Zweiter_Weltkrieg" title="Zweiter Weltkrieg">Zweiten Weltkrieges</a> für neutral erklärt und außerdem im Frühjahr 1939 einen Nicht-Angriffsvertrag mit <a href="Deutsches_Reich_1933_bis_1945" class="mw-redirect" title="Deutsches Reich 1933 bis 1945">Deutschland</a> geschlossen. Gleichwohl wurde es von der <a href="Wehrmacht" title="Wehrmacht">Wehrmacht</a> im April 1940 im Rahmen der <a href="Unternehmen_Weser%C3%BCbung" title="Unternehmen Weserübung">Operation Weserübung</a> <a href="D%C3%A4nemark_unter_deutscher_Besatzung" title="Dänemark unter deutscher Besatzung">besetzt</a>. Die dänische Regierung sowie König <a href="Christian_X." title="Christian X.">Christian X.</a> blieben unter Protest im Amt, auch die Verwaltung wie Bürgermeister, Ortspolizei oder Gerichte blieb in dänischer Hand. Es bildeten sich zunächst vereinzelte <a href="D%C3%A4nischer_Widerstand" title="Dänischer Widerstand">Widerstandsgruppen</a>, die Sabotageakte gegen Eisenbahnlinien und gegen Firmen, die mit der Besatzungsmacht kollaborierten, durchführten.
</p><p>In den folgenden Jahren verschlechterte sich die Situation für die dänische Bevölkerung, bis am 29.&nbsp;August 1943 die dänische Regierung zurücktrat und jede Zusammenarbeit mit der deutschen Besatzungsmacht einstellte. Gleichzeitig erhielt die Widerstandsbewegung deutlichen Zulauf und verstärkte ihre Aktionen massiv, auch mit Unterstützung durch Ausrüstungsgegenstände, die von britischen Flugzeugen abgeworfen wurden (insbesondere Waffen, Sprengstoff, Funkgeräte).
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Deportationen_in_deutsche_KZ">Deportationen in deutsche KZ</h3></div>
<p>Ab Herbst 1943 begannen die Deutschen mit den ersten größeren Deportationen von Juden und „politischen Häftlingen“. <a href="Georg_Ferdinand_Duckwitz" title="Georg Ferdinand Duckwitz">Georg Ferdinand Duckwitz</a> war in Kopenhagen Schifffahrtssachverständiger an der deutschen Gesandtschaft und eng befreundet mit führenden dänischen Sozialdemokraten und Gewerkschaftern. Duckwitz erfuhr Ende September 1943 vom endgültigen Termin der geplanten Juden-Deportation und informierte seine dänischen Freunde, dass in der Nacht zum 2. Oktober die Deportationen beginnen sollten. Innerhalb kürzester Zeit wurden die meisten dänischen Juden in 600 bis 700 Fischkuttern, kleinen Kähnen und Booten an die schwedische Küste verschifft. Schweden war rechtzeitig informiert worden. Bis zum 16. Oktober waren bereits knapp 6600 Juden in Sicherheit. Zur <a href="Rettung_der_d%C3%A4nischen_Juden" title="Rettung der dänischen Juden">Rettung der dänischen Juden</a> wurden insgesamt 7742 Juden aus Dänemark ins neutrale Schweden übergesetzt, darunter auch <a href="Fritz_Bauer" title="Fritz Bauer">Fritz Bauer</a>. Die deutschen Patrouillenboote, die sonst das Seegebiet überwachten, waren auf Weisung von Duckwitz im Hafen geblieben.<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Die internierten dänischen Kommunisten wurden in das <a href="KZ_Stutthof" title="KZ Stutthof">KZ Stutthof</a> bei Danzig und die dänischen Widerstandskämpfer in das <a href="KZ_Sachsenhausen" title="KZ Sachsenhausen">KZ Sachsenhausen</a> verbracht. Dänische Juden, die in der Nacht vom 1. auf den 2. Oktober festgenommen wurden, kamen in das <a href="Ghetto_Theresienstadt" title="Ghetto Theresienstadt">Ghetto Theresienstadt</a>, nach Sachsenhausen und Ravensbrück.<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Das bestätigte die Gefahr, dass dänische Staatsangehörige in großem Umfang direkt in deutsche Konzentrationslager transportiert werden. Das Lager Frøslev war folglich in erster Linie für politische Gefangene gedacht und nicht zur Inhaftierung und Deportation von Juden.
</p><p>Im März war ein Transport von 100 Gefangenen in deutsche KZ geplant, da die dänischen Gefängnisse überfüllt waren. Der Departementschef im Außenministerium, <a href="Nils_Svenningsen" title="Nils Svenningsen">Nils Svenningsen</a>, protestierte und schlug die Einrichtung eines Internierungslagers in Dänemark vor. Er konnte in Verhandlungen mit dem Reichsbevollmächtigten in Dänemark, <a href="Werner_Best" title="Werner Best">Werner Best</a> im März 1944 erreichen, dass das Internierungslager in Frøslev für dänische Gefangene unter Aufsicht der <a href="Geheime_Staatspolizei" title="Geheime Staatspolizei">Gestapo</a> und <a href="Schutzstaffel" title="Schutzstaffel">SS</a> gebaut und eingerichtet wurde. Im Gegenzug versprachen die Deutschen, auf Deportationen in deutsche Konzentrationslager zu verzichten.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Inbetriebnahme">Inbetriebnahme</h2></div>
<p>Das von einer dänischen Firma noch nicht ganz fertig gebaute Lager wurde am 13. August 1944 in Betrieb genommen und war im Endzustand für etwa 1500 Gefangene vorgesehen. Am 13. August kamen die ersten Gefangenen in das Lager. Die Gesamtzahl der Inhaftierten belief sich auf etwa 12.000.<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<ul class="gallery mw-gallery-traditional" style="max-width: 978px;">
<li class="gallerybox" style="width: 155px">
<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext">Arbeiten an der Entlausungsbaracke</div>
</li>
<li class="gallerybox" style="width: 155px">
<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext">Aushub-Arbeiten</div>
</li>
<li class="gallerybox" style="width: 155px">
<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext">5. Februar 1945 Belegung</div>
</li>
</ul>

<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Leitung,_Verwaltung_und_Bewachung"><span id="Leitung.2C_Verwaltung_und_Bewachung"></span>Leitung, Verwaltung und Bewachung</h3></div>
<p>Es wurde geleitet von <a href="Schutzstaffel" title="Schutzstaffel">SS-Standartenführer</a> <a href="Otto_Bovensiepen" title="Otto Bovensiepen">Otto Bovensiepen</a>, Leiter der Staatspolizeistellen und der Staatspolizeileitstelle <a href="Berlin" title="Berlin">Berlin</a> sowie bis Kriegsende 1945 <a href="Befehlshaber_der_Sicherheitspolizei_und_des_SD" title="Befehlshaber der Sicherheitspolizei und des SD">Befehlshaber der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdienstes</a> in <a href="D%C3%A4nemark" title="Dänemark">Dänemark</a>. Die Lagerleitung bestand aus SS-Personal, für die innere Lagerleitung und Aufsicht der Gefangenen war die deutsche Polizei zuständig. Für die äußere Bewachung und Besetzung der sechs mit leichten Maschinengewehren ausgestatteten Wachtürme sorgte eine Wachkompanie von 150–300 Polizeisoldaten.<sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Die Verwaltung des Internierungslagers Frøslev erfolgte abweichend von bisherigen Lagern durch dänisches Personal, das außerhalb des Lagerareals untergebracht war. Ungewöhnlich war, dass die Gefangenen das gleiche Essen wie das Wachpersonal erhielten. Der Betrieb wurde von Dänemark organisiert, ging aber bald in deutsche Hände über. Die Versorgung mit Lebensmitteln und Arzneimitteln wurde durch dänische Stellen, so gut es in Kriegszeiten möglich war, sichergestellt, so dass im Gegensatz zu deutschen Konzentrationslagern nicht die Gefahr von Unterernährung oder fehlender medizinischer Versorgung bestand.
</p><p>Wie in anderen Lagern gab es eine begrenzte Selbstverwaltung durch den vom Lagerkommandanten ausgewählten Lagerältesten. In jeder Baracke wurde als Funktionshäftling ein Barackenältester ernannt, der für Ordnung in der Baracke und bei den Arbeiten der Gefangenen sorgte. Die Gefangenen waren fast ausschließlich Dänen, so dass die deutsche Aufsicht keinen Vorteil aus Konflikten und Ressentiments zwischen verschiedenen Nationalitäten ziehen konnte. Da kein Mangel an Lebensmitteln herrschte, blieb den Insassen ein Kampf ums nackte Überleben erspart, die Gefangenen konnten sich solidarisieren. Die Gefangenenselbstverwaltung hatte das innere Lager weitgehend unter Kontrolle, wie der dänische Lagerälteste P. M. Digmann ausführte, der von September 1944 bis Mai 1945 amtierte.<sup id="cite_ref-5" class="reference"><a href="#cite_note-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Zwangsarbeit_der_Häftlinge"><span id="Zwangsarbeit_der_H.C3.A4ftlinge"></span>Zwangsarbeit der Häftlinge</h3></div>
<p>Zwangsarbeit musste verrichtet werden,<sup id="cite_ref-6" class="reference"><a href="#cite_note-6"><span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> doch unterschied sie sich von der allzu oft tödlich endenden <a href="NS-Zwangsarbeit" class="mw-redirect" title="NS-Zwangsarbeit">NS-Zwangsarbeit</a> im Deutschen Reich.
</p><p>Die Gefangenen errichteten eine Art „Potemkinsche Kulisse“, indem dem Kommandanten geschönte Arbeitseinsatzpläne vorgelegt wurden. So gab es neben der Schreinerei und der Metallwerkstatt ein Arbeitskommando „Fußabtretergitterrostreinigung“ mit zehn Gefangenen in Vollzeit. Die Schreinerei lieferte ihre Erzeugnisse, vorwiegend Fensterrahmen und Holzschuhe, an den Flensburger Kaufmann Walter Lausen.<sup id="cite_ref-7" class="reference"><a href="#cite_note-7"><span class="cite-bracket">[</span>7<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Da das von einer dänischen Firma errichtete Lager viele Fehler aufwies, waren die Handwerker und Ingenieure unter den Gefangenen damit beschäftigt, den Pfusch am Bau zu beseitigen. In anderen Lagerbereichen konnten Ärzte, Juristen, Offiziere und Verwaltungsbeamte großen Einfluss auf den Betrieb des Lagers ausüben.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Deportationen_nach_Deutschland">Deportationen nach Deutschland</h3></div>
<p>Die Besatzungsmacht hielt sich nicht an die eindeutigen Absprachen, denn schon am 15. September 1944, also einen Monat nach Inbetriebnahme, wurden 195 Gefangene in das <a href="KZ_Neuengamme" title="KZ Neuengamme">KZ Neuengamme</a> überführt. Von den etwa 12.000 Gefangenen, die das Lager durchlaufen haben, wurden etwa 1.610 in deutsche Konzentrationslager verschleppt. Sie wurden zum Teil in den berüchtigten <a href="KZ-Au%C3%9Fenlager_Husum-Schwesing" title="KZ-Außenlager Husum-Schwesing">Außenlagern Husum-Schwesing</a>, <a href="KZ-Au%C3%9Fenlager_Porta_Westfalica" title="KZ-Außenlager Porta Westfalica">Porta Westfalica</a> und im <a href="KZ_Stutthof" title="KZ Stutthof">KZ Stutthof</a> eingesetzt. Von den nach Deutschland deportierten Dänen wurden 220 Personen ermordet. Die Sterberate unter den als Asoziale und Kriminelle bezeichneten dänischen KZ-Häftlingen lag bei 30 Prozent, die der politischen KZ-Häftlinge bei 18 bis 20 Prozent. Eine Ehrentafel im Museum des Internierungslagers Frøslev nennt die Namen der Toten.
</p>
<table class="wikitable">
<tbody><tr>
<th>Datum
</th>
<th>Anzahl der Häftlinge
</th>
<th>Konzentrationslager
</th></tr>
<tr>
<td bgcolor="#FFFFFF">15. September 1944
</td>
<td>196 Personen
</td>
<td><a href="KZ_Neuengamme" title="KZ Neuengamme">Neuengamme</a>
</td></tr>
<tr>
<td bgcolor="#FFFFFF">25. September 1944
</td>
<td>288 Personen (Polizisten)
</td>
<td><a href="KZ_Buchenwald" title="KZ Buchenwald">Buchenwald</a> und andere Lager
</td></tr>
<tr>
<td bgcolor="#FFFFFF">5. Oktober 1944
</td>
<td>190 Personen (davon 141 Polizisten)
</td>
<td>Neuengamme
</td></tr>
<tr>
<td bgcolor="#FFFFFF">20. Oktober 1944
</td>
<td>196 Personen
</td>
<td>Neuengamme
</td></tr>
<tr>
<td bgcolor="#FFFFFF">21. November 1944
</td>
<td>3 Personen
</td>
<td>?
</td></tr>
<tr>
<td bgcolor="#FFFFFF">29. November 1944
</td>
<td>118 Personen
</td>
<td>Neuengamme
</td></tr>
<tr>
<td bgcolor="#FFFFFF">14. Dezember 1944
</td>
<td>11 Personen
</td>
<td><a href="KZ_Ravensbr%C3%BCck" title="KZ Ravensbrück">Ravensbrück</a>
</td></tr>
<tr>
<td bgcolor="#FFFFFF">21. Dezember 1944
</td>
<td>112 Personen
</td>
<td>Neuengamme
</td></tr>
<tr>
<td bgcolor="#FFFFFF">12. Januar 1945
</td>
<td>226 Personen
</td>
<td>Neuengamme
</td></tr>
<tr>
<td bgcolor="#FFFFFF">19. Januar 1945
</td>
<td>6 Personen
</td>
<td>Neuengamme
</td></tr>
<tr>
<td bgcolor="#FFFFFF">16. Februar 1945
</td>
<td>252 Personen
</td>
<td><a href="KZ_Dachau" title="KZ Dachau">Dachau</a>
</td></tr>
<tr>
<td bgcolor="#FFFFFF">13. März 1945
</td>
<td>8 Personen
</td>
<td>Neuengamme
</td></tr>
<tr>
<td bgcolor="#FFFFFF">20. März 1945
</td>
<td>5 Personen
</td>
<td>Neuengamme
</td></tr>
<tr>
<td bgcolor="#FFFFFF"><b>Summe</b>
</td>
<td>1 611 Personen
</td>
<td>
</td></tr></tbody></table>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Dezember_1944,_Heimkehr"><span id="Dezember_1944.2C_Heimkehr"></span>Dezember 1944, Heimkehr</h3></div>
<p>Im April 1945 wurde mit ungefähr 5.500 der Höchststand an Gefangenen erreicht. Das lag daran, dass die Evakuierung von KZ-Häftlingen aus Deutschland zu diesem Zeitpunkt ihren Höhepunkt erreichte. Bereits im Dezember 1944 hatten vier dänische Busse und vier Krankenwagen die ersten KZ-Häftlinge zurück nach Dänemark gebracht, es waren 198 dänische Polizisten und Grenzgendarmen.<sup id="cite_ref-8" class="reference"><a href="#cite_note-8"><span class="cite-bracket">[</span>8<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Bis März 1945 folgten mehrere kleine dänische Transporte.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Rettungsaktion_der_Weißen_Busse"><span id="Rettungsaktion_der_Wei.C3.9Fen_Busse"></span>Rettungsaktion der Weißen Busse</h2></div>
<p>Ende März 1945 begann die <a href="Rettungsaktion_der_Wei%C3%9Fen_Busse" title="Rettungsaktion der Weißen Busse">Rettungsaktion der Weißen Busse</a> des Grafen <a href="Folke_Bernadotte" title="Folke Bernadotte">Folke Bernadotte</a> zum Rücktransport skandinavischer KZ-Häftlinge. Ende März 1945 gingen rund 50&nbsp;% des schwedischen Hilfskorps nach Schweden zurück und wurden durch Dänen ersetzt. Ostern 1945 stellten die Dänen den Schweden zwei große Konvois zur Verfügung und am 20. und 21. April brachten 200 weiße Busse mehr als 4000 Dänen und Norweger aus dem Skandinavienlager in Neuengamme nach Krusa-Padburg, dem wichtigen Knotenpunkt der Rettungsaktion.
</p><p>Hier starteten die Konvois und hier wurden die Geretteten kurzzeitig im Froslev-Lager sowie in den Quarantänestationen untergebracht und versorgt. Die Quarantänestationen wurden schon 1943 errichtet und hier und im Internierungslager Frøslev wurden die Häftlinge gebadet, entlaust und gründlich untersucht, um zu vermeiden, dass ansteckende Krankheiten nach Dänemark getragen wurden. Ärzte, Krankenpfleger, Aktivisten der dänischen Frauenbereitschaft, Köche, Fahrer sowie Hunderte von Freiwilligen des dänischen Zivilschutzes waren an diesen Arbeiten rund um die Uhr beteiligt. Für die Gefangenen war der Geruch von Entlausungspulver und warmen Kroketten aus der Küche eine wichtige Erinnerung an die neue Freiheit.
</p><p>Vom Dezember 1944 bis Mai 1945 kamen hier rund 7000 Dänen und Norweger mit den Rettungswagen und weißen Bussen an und wurden durch das Froslev-Lager sowie den Quarantänestationen geschleust. Außerdem war es für rund 10000 KZ-Gefangene, vorwiegend aus dem KZ-Neuengamme, die aus anderen Ländern stammten, der Weg in die Freiheit, die dann über Schweden in ihre Länder heimkehrten.
</p>

<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Nach_Kriegsende_(Faarhuslager)"><span id="Nach_Kriegsende_.28Faarhuslager.29"></span>Nach Kriegsende (Faarhuslager)<span id="Faarhuslager"></span></h2></div>
<p>Unmittelbar nach dem 5.&nbsp;Mai 1945, dem Kriegsende in Dänemark, übernahm die Widerstandsbewegung die Gewalt und begann damit, Angehörige der deutschen Minderheit zu verhaften und zusammen mit dänischen Kollaborateuren im Lager zu internieren. Die Kontrolle des Lagers ging an den Staat über. Zeitweilig waren mehr als 5500 Gefangene im Lager, das auf Anordnung des Polizeikommandeurs Ernst Brix in Faarhuslager umbenannt worden war, um einen Strich unter die Vergangenheit zu ziehen. <a href="F%C3%A5rhus" title="Fårhus">Faarhus</a> (deutsch: Schafhaus) ist der Name des benachbarten Dorfes. In den meisten Fällen wurde gemäß den mit rückwirkender Kraft beschlossenen Gesetzen der Rechtsabrechnung (<i>Retsopgør</i>) vor allem Anklage wegen Kollaboration erhoben, einige Inhaftierte kamen nach wenigen Wochen oder Monaten frei, ohne dass zwischenzeitlich eine Anklage erhoben worden war.
</p><p>Insgesamt wurden von den rund 3500 inhaftierten Mitgliedern der deutschen Volksgruppe 2958 nach diesen Gesetzen verurteilt, die meisten als sogenannte Zeit- oder Frontfreiwillige, wobei es bereits genügte, an einer Musterung teilgenommen zu haben, aber davon nur rund 3&nbsp;% wegen schwerwiegenderer Handlungen wie beispielsweise Denunziation. Infolge unzureichender Versorgung durch das dänische Rote Kreuz kamen einige der Insassen ums Leben. Die letzten Häftlinge wurden im Oktober 1949 entlassen.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Das_Museum_heute">Das Museum heute</h2></div>
<p>Ein Teil des Lagers ist heute ein Museum und gehört zum <a href="D%C3%A4nisches_Nationalmuseum" title="Dänisches Nationalmuseum">Dänischen Nationalmuseum</a>, neben der Zeit als Frøslevlager, also bis 1945, wird seit März 2013 auch die Perioden als Faarhuslager und Pattburglager in einer Dauerausstellung gezeigt.
</p><p>Teile der ursprünglichen Anlagen und Bauten wurden nach Schließung des Lagers abgerissen, die Wachtürme Nr.&nbsp;3 und 4 wurden in den Jahren 1990 und 1991 rekonstruiert.
</p><p>Einige der Baracken werden heute für andere Zwecke benutzt, wie zum Beispiel für ein <a href="Internat" title="Internat">Internat</a> (Efterskole), eine Naturausstellung, als Informationsbaracke des dänischen Zivilschutzes oder eine Ausstellung von <a href="Amnesty_International" title="Amnesty International">Amnesty International</a>. Einige Räume werden als Internat für Schüler genutzt.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="UNO-Museum">UNO-Museum</h2></div>
<p>Im Lager befindet sich seit 1992 auch ein Museum, das die Dänen bei friedenssichernden Maßnahmen zeigt. Dort werden Dokumente über den internationalen Dienst des dänischen Militärs gesammelt zum Andenken an dänische Einheiten, die im Rahmen der <a href="Friedenstruppen_der_Vereinten_Nationen" title="Friedenstruppen der Vereinten Nationen">Friedenstruppen der Vereinten Nationen</a> in Krisengebieten, am 15.&nbsp;November 1956 in Ägypten, eingesetzt waren.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li>Sascha Grosser: <i>Das Polizeigefangenenlager Froeslev – Eine fotografische Dokumentation</i>, deutsche Informationsreihe, Padborg 2019.</li>
<li>Gottfried Horstmann: <cite style="font-style:italic">Zwei Jahre meines Lebens – Erinnerungen an Faarhus</cite>. Der Nordschleswiger, Aabenraa 1954.<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&amp;rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Abook&amp;rfr_id=info:sid/de.wikipedia.org:Internierungslager+Fr%C3%B8slev&amp;rft.au=Gottfried+Horstmann&amp;rft.btitle=Zwei+Jahre+meines+Lebens+-+Erinnerungen+an+Faarhus&amp;rft.date=1954&amp;rft.genre=book&amp;rft.place=Aabenraa&amp;rft.pub=Der+Nordschleswiger" style="display:none">&nbsp;</span></li>
<li>Hanns Christian Jessen: <cite style="font-style:italic">Faarhus 1945–1949 – Straflager für die deutsche Minderheit in Dänemark</cite>. Erlebnisse, Berichte, Dokumente. Husum Druck- und Verlagsgesellschaft, Husum 1987, ISBN 3-88042-365-2.<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&amp;rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Abook&amp;rfr_id=info:sid/de.wikipedia.org:Internierungslager+Fr%C3%B8slev&amp;rft.au=Hanns+Christian+Jessen&amp;rft.btitle=Faarhus+1945-1949+-+Straflager+f%C3%BCr+die+deutsche+Minderheit+in+D%C3%A4nemark&amp;rft.date=1987&amp;rft.genre=book&amp;rft.isbn=3880423652&amp;rft.place=Husum&amp;rft.pub=Husum+Druck-+und+Verlagsgesellschaft" style="display:none">&nbsp;</span></li>
<li>Henrik Skov Kristensen: <i>Das Fröslee-Lager. Museum oder Ferienhotel?</i> In: Grenzfriedenshefte (1994), Heft 3, S. 148–161 (<a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.dein-ads.de/fileadmin/download/pdf_grenzfriedenshefte/1994/grenzfriedenshefte-3-1994.pdf">Digitalisat</a>).</li>
<li>Henrik Skov Kristensen, Matthias Schartl: <i>Harrislee-Bahnhof – eine „Station auf dem Weg in die Hölle“. Die Deportation dänischer Gefangener aus dem Internierungslager Frøslev in deutsche Konzentrationslager 1944/45.</i> In: <i>Grenzfriedenshefte</i> (1995), Heft 3, S. 96–124 (<a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.dein-ads.de/fileadmin/download/pdf_grenzfriedenshefte/1995/grenzfriedenshefte-3-1995.pdf">Digitalisat</a>).</li>
<li>Henrik Skov Kristensen: <cite class="lang" lang="da" dir="auto" style="font-style:italic">En station på vej til helvede</cite>. Harreslev banegård og deportationen af danske fanger fra Frøslev til tyske koncentrationslejre. Flensborg/Aabenraa 2002 (dänisch).<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&amp;rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Abook&amp;rfr_id=info:sid/de.wikipedia.org:Internierungslager+Fr%C3%B8slev&amp;rft.au=Henrik+Skov+Kristensen&amp;rft.btitle=En+station+p%C3%A5+vej+til+helvede&amp;rft.date=2002&amp;rft.genre=book&amp;rft.place=Flensborg%2FAabenraa" style="display:none">&nbsp;</span></li>
<li>Henrik Skov Kristensen: <cite class="lang" lang="da" dir="auto" style="font-style:italic">Gestapos Fangelejre i Danmark. Horserød 1943-44, Fröslev 1944–45</cite>. Gyldendal, 2021 (dänisch).<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&amp;rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Abook&amp;rfr_id=info:sid/de.wikipedia.org:Internierungslager+Fr%C3%B8slev&amp;rft.au=Henrik+Skov+Kristensen&amp;rft.btitle=Gestapos+Fangelejre+i+Danmark.+Horser%C3%B8d+1943-44%2C+Fr%C3%B6slev+1944-45&amp;rft.date=2021&amp;rft.genre=book&amp;rft.pub=Gyldendal" style="display:none">&nbsp;</span></li>
<li>Jørgen Mågård (Red.): <cite class="lang" lang="da" dir="auto" style="font-style:italic">Fanger i Frøslevlejren 1944–45</cite>. Hernov 1988 (dänisch, 1. Auflage 1974).<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&amp;rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Abook&amp;rfr_id=info:sid/de.wikipedia.org:Internierungslager+Fr%C3%B8slev&amp;rft.au=J%C3%B8rgen+M%C3%A5g%C3%A5rd+%28Red.%29&amp;rft.btitle=Fanger+i+Fr%C3%B8slevlejren+1944-45&amp;rft.date=1988&amp;rft.genre=book&amp;rft.place=Hernov" style="display:none">&nbsp;</span></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<div class="sisterproject" style="margin:0.1em 0 0 0;"><div class="noresize noviewer" style="display:inline-block; line-height:10px; min-width:1.6em; text-align:center;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="mw-default-size" typeof="mw:File"><span title="Commons"></span></span></div><b><span class=""><a class="external text" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Fr%C3%B8slev_Prison_Camp?uselang=de"><span lang="en">Commons</span>: Frøslev Prison Camp</a></span></b>&nbsp;– Sammlung von Bildern</div>
<ul><li><a rel="nofollow" class="external text" href="http://natmus.dk/museerne/froeslevlejrens-museum/">Offizielle Website</a> (dänisch)</li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="http://en.natmus.dk/museums/the-froeslev-camp-museum/">Offizielle Website</a> (englisch)</li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.graenseruten.dk/SEEEMS/5819.asp">Foto vom Lager bei www.graenseruten.dk</a> (deutsch)</li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="http://fnmuseet.dk/index.htm">FN-Museet</a> (dänisch)</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text"><i>Den Gode Tysker.</i> In: <i>FAZ.</i> 9. Okt. 2018, S. 7. <a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/menschen/drittes-reich-diplomat-georg-ferdinand-duckwitz-rettete-juden-15827686.html">(Online-Version)</a>.</span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text">Jens-Christian Hansen: <i>Dänische Häftlinge im KZ-Außenlager Husum-Schwesing.</i> Herausgeber: ADS – Grenzfriedensbund e . V. Arbeitsgemeinschaft Deutsches Schleswig, S. 25 ff.</span>
</li>
<li id="cite_note-3"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-3">↑</a></span> <span class="reference-text">Henrik Skov Kristensen: <i>Eine Station auf dem Weg in die Hölle.</i> S. 13. (dt./dän.)</span>
</li>
<li id="cite_note-4"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-4">↑</a></span> <span class="reference-text">Skov Kristensen, S. 14.</span>
</li>
<li id="cite_note-5"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-5">↑</a></span> <span class="reference-text">Skov Kristensen, S. 15.</span>
</li>
<li id="cite_note-6"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-6">↑</a></span> <span class="reference-text"><i>Das Lager Frøslev – einst und jetzt</i> (zehnseitige Broschüre des Museums).</span>
</li>
<li id="cite_note-7"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-7">↑</a></span> <span class="reference-text">Skov Kristensen, S. 15.</span>
</li>
<li id="cite_note-8"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-8">↑</a></span> <span class="reference-text">Skov Kristensen, S. 64.</span>
</li>
</ol>
<p><span class="geo noexcerpt" style="display:none"><span class="body"></span><span class="latitude">54.842882</span><span class="longitude">9.328251</span><span class="elevation"></span></span><span id="coordinates" class="coordinates -print"><span title="Koordinatensystem WGS84">Koordinaten: </span><a class="external text" href="geo:54.842882,9.328251"><span title="Breitengrad">54°&nbsp;50′&nbsp;34″&nbsp;<abbr title="Nord">N</abbr></span>, <span title="Längengrad">9°&nbsp;19′&nbsp;42″&nbsp;<abbr title="Ost">O</abbr></span></a></span>
</p></div><!--htdig_noindex--><div><div class="zim-footer">
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